Der Alltag in Eenhana

Nun bin ich schon einen ganzen Monat in Eenhana und langsam kehrt der Alltag ein. So habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt von den Kindern als „Sir Luc“ oder „Sir Luca“ angesprochen zu werden. Auch mit den Namen der Kinder klappt es immer besser und das ein oder andere Wort OshiKwanyama (so wird der Dialekt, welcher hier gesprochen wird genannt) hab ich auch schon drauf. So heißt „Ongaipi? – Nawa.“ „Wie geht’s dir – gut.“, auch fußballspezifische Wörter wie „paasa“ (passen) oder „fanga“ (schießen) beherrsche ich schon, aber es gibt noch viel zu lernen! Aber das wird kein Problem sein, denn fast alle Menschen denen ich begegnet bin, sind offen, freundlich und freuen sich wenn man versucht ein bisschen OshiKwanyama zu reden. Ich fühle mich echt gut aufgehoben hier in Eenhana!

Aber nun etwas genauer zu unserem Alltag. Nachdem wir die erste Woche ohne unsere Vorfreiwilligen mit einem erfolgreichen Ferienprogramm gemeistert hatten, ging es in der zweiten Woche schon wieder mit der Schule los. Nachdem wir den Lehrern und Schülern unserer neuen Schule, der Paulus Hamutenya Primary School, vorgestellt wurden, ging es auch schon relativ schnell los.

Alle Lehrer sind total nett und hilfsbereit, so halfen sie uns beispielsweise in der ersten Woche die Lesson Preparation, ein Dokument über die Unterrichtsinhalte, auszufüllen und haben auch sonst immer ein offenes Ohr für unsere Fragen. Der Sportunterricht ist, im Vergleich zu Deutschland, schon anders. Das liegt zum einem daran, dass die Klassen viel größer sind, so hat unsere größte Klasse 46 sogenannte „learners“ (Namlish, für Schüler), zum anderen an den limitierten Ressourcen, v.a. von Sportmaterial. Trotzdem macht der P.E. Unterricht Spaß und besonders die kleineren Kinder kommen immer aus ihren Klassenzimmern gerannt und rufen voller Vorfreunde „P.E. time, P.E. time!“. Wie in Deutschland gibt es auch einen Lehrplan, den sogenannten „Syllabus“, an den wir uns halten sollen und so planen wir Woche für Woche was wir so mit den Schülern machen werden. Unsere typische Unterrichtstunde beginnt mit einer Runde rennen und anschließenden Dehnen. Danach wird das vorgegebene Thema, wie beispielsweise Athletics oder Gymnastics, behandelt. Insgesamt haben wir 16 Stunden P.E. Unterricht pro Woche, wobei eine Stunde 40 Minuten geht. Da wir an einer Primary School arbeiten, unterrichten wir von der ersten bis zur siebten Klasse.

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Der Sportplatz der Paulus Hamutenya Primary School

Nach einer kleinen Mittagspause beginnt der zweite Teil unserer Arbeit – das Fußballtraining. Dieses findet für mich und meine Teams im Eenhana Stadium statt. Es gibt eine große Tribüne, wo Jeanine und ich einen kleinen Abstellraum für Bälle, Hüttchen und Leibchen haben, welcher gleichzeitig als Treffpunkt vor dem Training fungiert. Auch hier gibt es einen Sandplatz, doch die Kinder können auch auf Sand super spielen! Insgesamt hab ich drei Teams, Team A (Jahrgang 2002/2003), Team B (Jahrgang 2004/2005) und Team C (2006/2007/2008) die ich über die Woche verteilt von jeweils 15 Uhr bis 17 Uhr trainiere. Das Training macht richtig viel Spaß, die Kinder sind sehr lernwillig und motiviert. Sie sind mir schon richtig ans Herz gewachsen!

Mit dem Team B hatte ich am letzten Wochenende auch mein erstes Turnier, es war ein sehr großes Turnier hier in Eenhana, dem „Eenhana Circuit Annual Sport Tournament 2017“. So kamen die, von RB Leipzig gesponserten, Trikots das erste Mal zu Einsatz – und sie sollten Erfolg versprechen.

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Neue Trikots

Nach der Gruppenphase, die wir mit 2 Siegen und 2 Niederlagen als Gruppenzweiter abschlossen ging es ins Halbfinale. Die Mannschaft spielte echt gut auf, aber der Ball wollte einfach nicht ins verflixte Tor gehen. Und so kam es wie es kommen musste – Elfmeterschießen. Da es echt viele Zuschauer gab standen meine Jungs unter großen Druck, doch sie behielten einen kühlen Kopf und konnten das Elfmeterschießen für uns entscheiden!

Im Finale stand uns dann eine in Gruppen- und K.O.-Phase ungeschlagene Mannschaft gegenüber. Nachdem uns die erste Halbzeit gehörte und wir einige Chancen vergaben, zeigte der Gegner in der zweiten Halbzeit sein ganzes Potential auf, doch meine Mannschaft warf sich in jeden Ball hinein und verteidigte richtig stark. Nach der regulären Spielzeit stand es also wieder 0:0. Im Elfmeterschießen mussten wir uns dieses Mal geschlagen geben, der gegnerische Torhüter war einfach zu gut. Doch keiner aus der Mannschaft ließ den Kopf hängen, denn niemand hätte uns den zweiten Platz zugetraut. Daher feierten wir den zweiten Platz gebührlich und holten uns bei der Siegerehrung unsere Silbermedaillen ab! Über das Wochenende sind wir wirklich nochmal mehr zu einem Team zusammengewachsen.

Wo wir gerade bei Wochenenden sind, für uns gibt es nicht so wirklich Wochenende, da es am Samstag ab und zu einen Spieltag von „Galz und Goals“ gibt und am Sonntag das „Open program“, ein Programm für alle Kinder die in keinem Team sind, ansteht. Aber manchmal nutzten wir das Wochenende auch um zu Louisa und Kilian (Basketballfreiwilige des ASC und DOSB) nach Ongwediva zu fahren (1 ½ Stunden Fahrt mit dem Taxi). Einmal waren wir für die TradeFair da, eine große Expo wo viele lokale und nationale Unternehmen ihre Produkte vorstellten und wo man lecker essen konnte. Das andere Mal haben wir bei einem Basketballturnier ausgeholfen.

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Aushelfen beim Basketballturnier 

Ja, im Norden von Namibia und vor allem in Eenhana gibt’s immer echt viel zu tun! Ich hoffe ihr könnt euch meinen Alltag hier nun besser vorstellen und seid mir nicht allzu böse wenn es mal längere Zeit keinen Blogeintrag gibt.

Beste Grüße aus dem sonnigen und heißen (40 Grad Celsius) Eenhana,

Euer Luca

5 Gedanken zu „Der Alltag in Eenhana

  1. Das nächste mal werdet ihr erster!:D

    Freut mich sehr, dass es dir gut geht und dass du du so viel spaß hast!
    Bin mir sicher, dein restliches jahr wird weiterhin so erfolgreich.

    Viele grüße!
    Noah:)

    Gefällt 1 Person

  2. Moin Luca,
    Witzig zu sehen das viele Begriffe einfach Indientisch sind obwohl ich ja nen paar Kilometer entfernt bin. Du hast aber echt Glück mit 16 P.E Lessons. Ich will ja auch soetwas wie eine Fußball Manschaft in meinem Projekt integrieren aber wir haben nur 2PE Lessons in der Woche also 1 1/2 h in der Woche was ein geregeltes Training sehr schwer gestaltet.
    Wünsche dir alles gute und noch mehr Erfolge.
    Grüße Künstliche😘

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